Als ob
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Ich dachte, ich hätte die Eigenschaften des Gegenstandes meiner Beschäftigung erfasst. Illusion und Szene schienen mir passende Namen dafür, was ich beim Malen tue, zu sein. Ich muss jetzt gestehen – ganz ohne Widerwillen, denn der Mensch freut sich natürlich, wenn er etwas Neues entdeckt – dass das Konzept und die Verfahrensweise doch wichtigere Eigenschaften der Malerei sind. Einen gewissen Unbehagen erweckt in mir hingegen die Tatsache, dass die Zeit im Nu verfliegt. Neulich musste ich zum Optiker, weil ich nicht mehr deutlich sehe, was ich zeichne, und längst das Lesen aufgegeben habe; meine Zähne sind schon seit längerem aus Porzellan, und lansam fange ich an, einen fauligen Geruch an mir selbst zu verspüren. Aber auch ohne Brille sehe ich, dass meine Bilder besser geworden sind. Ich weiß nicht, ob dies daran liegt, dass ich dem Konzept und der Verfahrensweise Vorrang vor der Illusion und der Szene gegeben habe, oder sogar daran, dass sich alle diese Eigenschaften gegenseitig durchdringen. Jedenfalls, wenn ich das Glück habe, noch ein paar Jährchen bei Kräften und guter Gesundheit zu bleiben, sollte ich einige wirklich gute Bilder malen.
Vielleicht hätte ich das doch so fassen sollen:
Es war einmal ein weißes Nachthemd bei Humana. Humana ist ein Gebrauchtwarenladen am Frankfurter Tor. Ich schickte Ernestine dorthin, um ein weißes Kleidungsstück zu kaufen, dass sie tragen würde, während ich eine Sternenkarte auf sie projizierte. Es sollte aussehen, als ob es Nacht wäre, aber zugleich sollte deutlich sein, dass es sich nur um eine Projektion des Sternenhimmels auf das Modell handelte. Ich bewege mich gerne in diesem Raum zwischen dem gemalten Bild und dem inneren, das dadurch angeregt wird. Vielleicht hatte Luc Tuymans das im Sinn, als er sagte, er sehe »diesen kleinen Raum zwischen dem Bild und seiner Deutung als die einzige Möglichkeit«. Obwohl das nichts Neues ist. In Caravaggios »Grablegung« z. B. sieht man deutlich, dass die ganze Szene nur Pose ist, eine Illusion, die in uns das echte Bild dieses tragischen Augenblicks erwecken soll. Ja – um mich kurz su fassen, Ernestine kaufte genau dieses Nachthemd bei Humana für 5 Euro.













