Mein lieber Freund,
was wir niemals geklärt haben, ist die eigentliche Bedeutung deiner häufig gemachten Behauptung, du müsstest mehrere Stunden täglich Rad fahren, um alles auszuschwitzen und "rein vor die Leinwand zu treten". So wie ich das verstehe, meinst du - gereinigt von dir selbst, vom Alltag. Ich nehme an, dass das eine "reine", vom Schmerz des gemeinen Lebens befreite Malerei impliziert. Ich muss gestehen, das ist mir völlig unbegreiflich. In unserem Zeitalter scheint mir die Malerei eine der wenigen Inseln zu sein, wo Individualität noch möglich ist. Und darum: Wenn ich in einem bestimmten Augenblick das Gefühl habe, allein zu sein, isoliert, vom Horizont wie von einer Gefängnismauer umgeben, wie auf einer langsam absterbenden Insel - warum sollte ich das dann nicht auch malen? Es mag keine kolossale Malerei sein, aber wenn es mir gelingt, ein Gefühl wie das beschriebene malerisch umzusetzen, dann scheint mir das der Mühe wert zu sein. Oder soll ich lieber Rad fahren?

Die in diesem Kapitel gesammelten Werke wurden größtenteils 1988 in der nachträglich "Allein" betitelten Ausstellung in der Zagreber Galerie Gradska gezeigt.