The Making Of ››

Die Deklaration

   

Ich kann Folgendes aussagen: Ich beschloss, das Gemälde »Unterzeichnung der Deklaration über den Anschluss von Westherzegowina und Popovo Polje an die Republik Kroatien (Wer hat das Bier bestellt?)« zu malen, weil es mich frustrierte,

A) dass die kroatischen Medien das geistige Leben des Landes andaurend mit Politik vollpumpen – dabei den Anschein erweckend, als existierte überhaupt nichts außerhalb der Bahnen, in denen sich die so genannte politische und andere »Prominenz« bewegt –, wodurch sie sehr wenig Raum für so etwas wie die Malerei übrig lassen, es sei denn, es geht um den Preis eines Gemäldes oder darum, dass ein Künstler der Günstling eines »Prominenten« ist

B) dass man, wie mir auffiel, aus einem nicht gerade einflussreichen Gebiet wie Kroatien am leichtesten auf den Internationalen Hof der Kunst kommt, indem man, den Regeln der am Hof herrschenden politischen Korrektheit und den Vorstellungen des Hofs von diesem Gebiet entsprechend, etwa den Nationalismus thematisiert, der zum Krieg führte, oder die während der Transition

entstandenen Mafiastrukturen, die sich öffentliche Güter unter den Nagel rissen, oder die Lage der »Andersartigen« in einer solchen noch-nicht-Zivilgesellschaft, oder aber den »authentischen positiven Wert« dessen, was »früher« war, unter der Bedingung, dass man das nicht im Medium der Malerei unternimmt, weil sie als altes Medium immer mit den konservativen Kräften einer Gesellschaft im Bunde steht,

sowie deshalb,

C) weil es mich in den letzten Jahren besonders freut, beim Malen auf der »Darstellung« zu bestehen, die aufgrund der erwiesenen Tatsache, dass die Malerei ein altes Medium ist, beim Betrachter Erinnerungen erweckt, Assoziationen an ähnliche, bereits gesehene Darstellungen, und so einen Raum zwischen dem Bild, das wir sehen, und demjenigen, das wir in Erinnerung tragen, schafft, was dem Gemälde eine neue, »dritte« Dimension verleiht, die jenseits des Gemalten entsteht, und

D) weil ich ein repräsentatives Porträt »gewöhnlicher Menschen«, meiner Berliner Freunde, machen wollte.