Das ist ein Votivbild, siehst du, der Künstler ruft Gott an, oder bietet ihm vielmehr das Bild zum Opfer dar, damit ihm ein Wunsch in Erfüllung geht oder vergeht. Der reinste Atavismus ist das, mit der gleichen Absicht haben Höhlenmenschen die Büffel gemalt, die sie zum Abendbrot wollten."

"Der Künstler, das ist der mit den geschlossenen Augen rechts im Bild?"

"Nein, das ist eine andere Person, die der Künstler nur als Maske benutzt, um uns zu täuschen und glauben zu machen, dass jemand anderes hinter geschlossenen Lidern den Gegenstand seiner Sehnsucht betrachtet."

"Und was wollte er zum Abendbrot haben, etwa die Bräute dort links?"

"So scheint es. Aber er muss befürchtet haben, dass sein Wunsch inakzeptabel für seine Umgebung sein könnte und hat wohl deshalb die ganze Travestie aufgeführt."

"Woher willst du wissen, was für eine Absicht er hatte? Es kann doch kein Mensch sehen, was ein anderer sieht."

"Ja, Gott sei Dank. Außer vielleicht in den Bildern, die ein anderer malt."

Die in diesem Kapitel dargestellten Werke wurden zum Teil 2001 in der Zagreber Galerie Beck unter dem Titel "Ich sehe Bilder, die Andere sehen" ausgestellt, während die übrigen später entstanden sind.